Eines Abends am Strand

Am Abend. Ich höre dein altes Auto auf den Hof fahren. Dann stehst du plötzlich in der Tür. „Komm mit. Wir brauchen noch Streichhölzer. Und ich klau euch ein bisschen Tageszeitung von gestern, geht das klar?“ „Logisch.“ Ich hol die Streichhölzer und meinen dicken Pulli. Zieh die Jacke drüber, weil es Nacht ist und kühl draußen. Dann winke ich den anderen zum Abschied, wünsche süße Träume und ziehe die alte Tür hinter mir zu. Ich quetsche mich zwischen Holzscheite, Decken und deine Musikbox ins Auto. Verbinde mein Handy mit dem Lautsprecher und dann leg ich die Beine hoch. „Angeschnallt?“ – „Los geht´s“. Ich dreh Keimzeit voll auf und obwohl du kein Wort verstehst, gefällt dir die Musik und ich singe laut mit und du trommelst zum Takt der Musik mit den Fingern aufs Lenkrad. Die Scheinwerfer leuchten uns einen hellen Weg durch die dunklen Straßen. Dort, um die nächste Ecke noch, dann stellen wir das Auto auf dem jetzt leergefegten Parkplatz ab, der tagsüber noch voller Menschen war. Ich nehme die Decke und klemme mir etwas zu trinken unter den Arm. Du nimmst das Holz mit, die alte Zeitung und den selbstgebackenen Kuchen. Und dann gehen wir über den weichen Sandweg zum Strand. Am Rand des Meeres setzen wir uns unter die Sterne. Wir wärmen uns die Hände am Feuer und reden über Gott und die Welt. Irgendwann hol ich ein Buch aus meiner Tasche. „Baudelaire – Les fleurs du mal“. Und du änderst die Musik. Weil nur Chopin zu Baudelaires Dichtkunst passt, sagst du. Und dann, dass ich die Welt um mich vergessen soll, wenn ich lese. Und während meine Stimme sich mit den Wellen wiegt, malen leise Klaviertöne einen Klangteppich, der meine Worte trägt. Später rezitierst du einen Poem, du musst ihn nicht mal ablesen, so gut kennst du die Worte. Und dann sitzen wir einfach nur da, essen Kuchen, lachen und reden. Und tanzen unter dem Sternenzelt, das nirgendwo so hell scheint wie hier. So viele, funkelnde Lichter, die ein kuppelartiges Netz über uns spannen.

„Hier kann man fast sehen, dass die Welt rund ist!“

Leni

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