Sonntagsplausch : im Goldfischglas

Ich schlafe immer auf dem Bauch ein. Und bevor ich abends die Augen zumache, rechne ich immer im Kopf nach, wie viele Stunden ich jetzt noch schlafen kann. Wenn ich mich anziehe, dann beginne ich nie mit den Socken und die Zähne putze ich mir von unten links nach oben rechts.
Ich habe eine Routine. Für all die kleinen Schritte im Leben. Hat jeder von uns. Wir denken da gar nicht mehr drüber nach, oder? Wann hast du das letzte Mal überlegt, welche Tasse du am Liebsten für deinen Kaffe nehmen möchtest und ob du dich in der Dusche jetzt zur Wand oder zur Tür drehen sollst? Eben.
„Routine ist tödlich“ heißt es. Und vielleicht stimmt das auch manchmal. Ich könnte niemals jeden Tag das Gleiche essen oder immer am gleichen Ort Urlaub machen. Ich bin neugierig. Ich möchte neue Dinge lernen, sehen, erleben, fühlen. Ich bin ein „global citizen“, wie Theresa May es einmal leicht spotthaft bezeichnete. Ich bin wanderlustig, kreativ, sprunghaft. Interessiert, offenherzig und unstet. Routine tötet. Stumpft ab.

Ehrlich? 

Denn obwohl ich gern neue Orte entdecke, unbekannte Länder bereise und fremde Kulturen und Sprachen entdecke, bin ich nur in meiner kleinen, vertrauten Geburtsstadt wirklich zuhause. Und kein Sommer ist zu 100 Prozent perfekt, ehe ich nicht mindestens auch einige Tage an der Ostsee Salzluft geschnuppert habe, selbst wenn ich meine Füße in der gleichen Saison schon am anderen Ende der Welt an einem Ozean in den Sand gegraben habe.
Ich probiere gern neue Rezepte und Cafés aus, aber wenn ich krank bin, brauche ich Griesbrei und Kirschen aus dem Einwegglas.
Ich mag meine Routinen!
Aufwachen. Wecker kontrollieren. Füße aus dem Bett. Fertigmachen. Frühstück. Dann Zähneputzen. Bett machen.
Ein geregelter, immer gleicher Ablauf. Langweilig. Aber auch befriedigend.
Stetig. Ruhig. Automatisiert. Ich hinterfrage das nicht und will es auch nicht, wenn ich mal ehrlich bin. Routine gibt mir Sicherheit. Und Identität. Ich mach das eben so. Weil ich es immer so mache.
Und ich glaube, dir geht das genauso.
Wir sind Hipsterbesondere-ich-erfinde-mich-jeden-Tag-neu-Menschen. Und im Herzen ziemlich konservativ.

Routine.
Weil wir uns eigentlich doch ziemlich wohl fühlen, in unserem Goldfischglas…

Leni

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