Strandspaziergang

Gedankenpost, Lyrik

Feinste Kiesel tätowieren mir Urlaub in jeden Zentimeter meines Körpers.
Nasskalte Gischt badet meine nackten Zehen. Ich laufe am Strand entlang. Kurz die Augen zumachen. Durchatmen. Die Salzluft filtern. Sie wirft kleine Widerhaken aus, krallt sich in meinem Herz fest. Ich blende alles aus. Ganz kurz. Nur ein paar Sekunden die Augen schließen.
Einatmen.
Ich höre die Wellen an den Strand platschen.
Ausatmen.
Die Flut kommt jetzt langsam zurück. Ich merke, wie ich über kleine Hügel aus Sand laufe, die verschlungenen Sandwurmspuren ebnen sich unter meinen nackten Sohlen. Ich höre die Möwen kreischen und ich spüre den Wind, der mir das Haar verweht, die Wangen rötet und mich frösteln lässt. Ich kuschele mich ein klein bisschen fester in meine Windjacke.
Einatmen.
Ich öffne die Augen.
Ausatmen.
Der Strand ist so weit und ich kann tausend Spuren auf seinem breiten Flur entdecken. Möwentapsen, Kinderfüße, große klobige Schuhe, Muscheln, Sandwurmspuren. Meine eigenen nackten Füße. Ich hinterlasse auch eine Spur. 
Ich wollte immer Spuren hinterlassen. 
Und trotzdem hab ich hier am Meer das leise aber sichere Gefühl, dass ich viel eher der Sand bin, auf dem hier alles läuft. Das ich die bin, in die so viele verschiedene Füße tapsen. Ich bin der große weite Strand. Meine Wünsche und Sehnsüchte überschlagen sich gelegentlich wie die Wellen im Meer. Und ihr hinterlasst so viele Spuren auf mir. Ihr alle.
Die kleine Prinzessin, die mit Elefantenschritten die Treppe herauf und hinunterpoltert. Der Petersilienkönig, der leise Leben aus seiner Gitarre kitzelt. Der laute Weltreisenträumer, der in die Stille meiner Gedanken schreit und keinen Platz lässt für etwas außerhalb seiner Erzählungen. 

Augen zu.
Einatmen. 
Ich seh euch hinter meinen Lidern.
Ausatmen. 
Ich laufe am Strand entlang. Kurz die Augen zumachen. Durchatmen. Die Salzluft filtern.
Wer ohne Säcke voller Muscheln, ohne Geschichten im Herz, ohne Sand in den Haaren und ohne Taschen voller Steine, Federn, und eine Erinnerung für jede Muschel zurückkommt, der war nicht am Meer. 
Nicht hier. 
Ist nicht auf meinem Strand gelaufen. 

Mein Spaziergang geht noch weiter. ich hab noch Platz in meinen Taschen.

Leni
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