Winterschlaf

Verbranntes Holz. Rauchschwaden formen den Teppich zu meinen schmutzverschmierten Schuhen. Die graue Strickjacke ziehe ich ein bisschen fester um den Körper. Es ist noch dunkel draußen und ich sehe, wie der Tag die Nacht zum Abschied küsst, während ich zum Frühstück gehe.
Zwei Tassen Kaffee wecken meine Sinneszellen. Die schlecht lackierten Finger klammern sich fröstelnd an die dampfende Tasse. 

Es ist noch kalt. Viel zu kalt. Die Wärme des Feuerholzes hat die Wände noch nicht erfasst. 

Mein Atem zeigt mir den Weg zur Arbeit. Inzwischen ist es hell. Brombeeren finde ich jetzt keine mehr. Dafür lucken kleine Pilzköpfe aus dem Waldboden. Die Luft riecht anders. Frisch, neu, unverbraucht. Sie beißt mir in die Nase und verheißt Braunheidel und weichbunte Blätter. Ich trete auf stachelige Esskastanien. Schillernde Farben krönen die Bäume. Orange, rot, braun. 

Die kalte Jahreszeit hat auch eine warme Seite. 

Es regnet jetzt häufiger. Das macht das Sofa im Wohnzimmer gemütlicher, in dem man so schön versinken kann, dass man nie wieder aufstehen möchte. Dasselbige erschwert es unheimlich. Katzenkuscheln ist meine Ruheoase. Mandala kringelt sich auf meinem Bauch. Katzenhaare  decken mich zu, liegen auf mir wie Perlen. 

Körperwärme schnurrt sanft zu meinem Herzschlag. Ruhe. Bedacht.
 Ich würde am liebsten ewig hier sitzen. Mein ganz persönlicher Winterschlaf. 

Eine Tasse Tee neben mir, die wärmende Fleecedecke um mich geschlungen, die Katze auf meinem Bauch, eine Hand kraulend in ihrem Nackenfell platziert, die andere um ein Buch geschlungen, das so dick ist, wie der Winter lang. Ich atme die Worte in mich ein, sauge die Tinte aus den Seiten gierig  auf.

Manchmal traue ich mich noch in die Hängematte. Ich liebe diese schaukelnde Idylle im ruhigen Garten. Ich stopfe mir die Decke fest um den Körper, die Daunenjacke ist bis zum Hals zugezogen. Und trotzdem spüre ich nach einer halben Stunde meine Finger nicht mehr und beginne zu zittern. 

Der bretonische Wind ist erbarmungslos. Zuckerbrot und Peitsche. 
Das ist die eiserne Regentschaft  des Küstenwetters. Und das liebe ich ja auch so sehr.
Die wenigen Sonnenstunden halte ich mein Gesicht dem Himmel entgegen, sauge das letzte Vitamin D in mich ein. 

„Ich will noch nicht gehen“, flüstert mir der Sommer ins Ohr. „Ich auch nicht“, denke ich und schließe die Tür hinter mir, als ich ins Haus zurückgehe, um nochmal heißes Wasser aufzusetzen. 

Wie versüßt ihr euch die nasskalte Jahreszeit?

Leni

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